Review – Battlefield 4


Am 31. Oktober diesen Jahres erschien mit Battlefield 4 der mittlerweile elfte Teil des Taktik-Shooters vom schwedischen Entwicklerstudio DICE. Wie immer lieferten sich Battlefield und Call of Duty auch in diesem Jahr auf E3 und der Gamescom ein Duell um die Gunst der Spieler. In den zahlreichen Trailern wurde vor allem die sogenannte Levolution, also die Möglichkeit durch das Eingreifen der Spieler eine Multiplayer-Map nahezu komplett umzugestalten und riesige Bauten zu zerstören, hoch angepriesen. DICE versprach ebenfalls, eine ebenso packende wie spektakuläre Einzelspieler-kampagne zu bieten, auch Technisch solle sich, serientypisch, einiges verbessern. Aber kann DICE wirklich alle Versprechen halten und einen erneuten Hit landen ? Oh ja……….und nein.



Widmen wir uns zunächst der Solokampagne. Auch diese war seit dem Ableger Bad Company von 2008 meist fester Bestandteil jedes Battlefield Spiels. Die Handlung von Battlefield 4 dreht sich um das Squad „Thumbstone“ bestehend aus den Soldaten Pac, Irisch, der Chinesin Hannah und Recker, Squad-Leader und unser alter Ego. Die Handlung ist zunächst erst einmal allein dafür zu loben, das wir endlich mal nicht terroristischen Vereinigungen aus dem mittleren Osten als strahlender amerikanischer Held das Handwerk legen um die Welt zum Xten mal vor der totalen Vernichtung zu bewahren, sondern wirft uns in einen, durch einen Militärputsch verursachten Konflikt zwischen den USA und der Volksrepublik China. Keinerlei Verdacht auf Literatur-Nobelpreis aber immerhin mal etwas Abwechslung. Mit welcher es nach dem Szenario allerdings auch schon wieder vorbei ist. Unsere Spielfigur Sgt. Recker soll zwar einen Squad-Leader verkörpern, wir fühlen uns während der mit knapp 5 Stunden lächerlich kurzen Kampagne allerdings kein einziges Mal so. Das liegt vor allem daran, das Recker offenbar stumm ist und, abgesehen von einigen Stöhnern bei feindlichen Treffern, keinen Mucks von sich gibt. So werden wir also nicht Teil der Handlung, was DICE ja eigentlich geplant hatte, sondern stehen immer nur seltsam dabei, äußern uns weder zum Geschehen, noch geben wir Befehle. Man hätte also auch einfach sagen können Sgt Recker sei eine laufende Kampfdrohne oder ein schießwütiger Geist welcher das Squad verfolgt, das wäre zumindest glaubwürdiger gewesen. Aber wenn der Hauptcharakter nun ein Lappen ist, dann werden die anderen Figuren des Squads doch sicher gut charakterisiert und glaubwürdig sein, mag man denken. Ähm…nee. Abziehbilder wie sie im Buche stehen. Da haben wir den möchtegern moralischen Ehrenmann, welcher bei jeder Mission versucht irgendwelche Zivilisten zu retten, gefolgt vom eiskalten, vom Krieg gezeichneten Veteranen, für welchen die Mission alles ist, Kollateralschäden hin oder her, die chinesische Superfrau, welche sich aufgrund ihre Herkunft erst einmal das Vertrauen der Truppe verdienen muss und wir mittendrin. Das bremst die ohnehin maue Handlung noch mehr, welche in einem der sinnlosesten und beschränkten Finale endet, welches uns nicht gemächlich aus der Handlung führt, sondern uns regelrecht mittendrin rausreißt. Eine Handlung, welcher man die Ideenlosigkeit an jeder Ecke anmerkt. DICE versucht nahezu krampfhaft, tiefgründig und denkwürdig zu sein, was aber derart übertrieben dargestellt wird das es fast lächerlich wirkt. Immerhin sind die Missionen abwechslungsreich, spannend und packend. Viel Abwechslung bei Schauplätzen und Aufgaben sorgen doch für einen gewissen Spielspaß. Und irgendwie fiebert man dann doch mit wenn „Regiment pseudo-tiefgründig“ nachts durch Shanghai schleicht, allein schon wegen der tollen Technik, die sehr gute deutsche Vertonung, beispielsweise durch Schauspieler Moritz Bleibtreu, und die dichte Atmospäre. Die Einzelspieler-kampagne ist nett inszeniert, hat gute und viele unterhaltsame Actionballerei und ein wirklich tiefgründiges Spiel hat ja wahrscheinlich eh niemand wirklich erwartet. Gab es sicher schon besser was Battlefield uns da bietet, aber wer an einem langen, regnerischen Herbstfeiertag mal nichts zu tun hat, der kann da ruhig mal rein schauen.



Aber was echte Battlefield-Spieler sind, die scheren sich nicht um so Schlauchlevel-Beiwerk, die echten Battlefield-Fans interessiert sowieso nur der Multiplayer: Autos, Panzer, Hubschrauber, Jets, Boote, riesige Karten, komplett zerstörbare, noch größere, umfangreichere Gebäude, 64 Spieler, „all out war“, so betitelt DICE sein Multiplayer-Erlebnis und das stimmt so, Battlefield 4 ist einfach nur gigantisch. 10 Maps liefert Battlefield 4 gleich mit. Diese Karten sind alle sehr gut durchdacht, jede hat ihre eigenen Charakter und Taktiken, sehr viel Abwechslung wurde bei DICE wohl groß geschrieben. Vor allem urbane Maps wie Floodzone oder Siege of Shanghai stechen aufgrund der sehr hohen Detailverliebtheit besonders positiv hervor, hier kann man in ganzen Einkaufszentren, inmitten von Schuhen, Elektronikwaren und natürlich Sonderangeboten nicht nur auf Schnäppchenjagd gehen, denn bei Battlefield bleibt man nie lange alleine. Das tolle am Multiplayermodus von Battlefield 4 ist tatsächlich, dass DICE das gute von Battlefield 3 erhalten und nur minimale Veränderungen eingebaut hat. So fliegen jetzt zum Beispiel Kampf- und Jagdjets auf der gleichen Map. Die Klassen aus Batttlefield 3 hat DICE eins zu eins übernommen, jedoch eine der besten Neuerungen eingebaut. Die Klassen spielen sich jetzt wesentlich flexibler. So hat der Scharfschütze jetzt C4 im Gepäck und kann dadurch auch vorne mal mitmischen, und der Pionier hat eine größere Auswahl an Raketenwerfern, so kann man sich auf bestimmte Situationen spezialisieren. Schön ist auch, die Halbautomatischen Scharfschützengewehre dürfen nun von allen Klassen getragen werden, geübte Sturmsoldaten dürfen jetzt also auch mal snipern, der Scharfschütze darf jedoch als einziger die deutlich stärkeren Repetiergewehre verwenden. So schafft DICE mehr Flexibilität und bewahrt gleichzeitig die Stärken und die Identitäten der jeweiligen Klassen. Sauber. Auch bei Spielmodi glänzt Battlefield mit Vielfalt und Abwechslung, Rush und Conquest funktionieren so gut wie eh und je, der neue Spielmodus Obliteration wirkt nicht aufgesetzt und ist sehr gelungen. Die Levolution ist mal mehr mal weniger gelungen, ob bei Operation Locker irgendein kleiner Turm in Kartenmitte umkippt ist den meisten Spielern mehr oder weniger egal, aber wenn auf Siege of Shanghai der berühmte Wolkenkratzer nach zu langem Beschuss komplett einstürzt und die halbe Karte unter sich begräbt, dann hört man niemanden mehr schießen denn das schauen sich alle an. Lediglich arg lange Ladezeiten sowie das unzugängliche Battlelog trüben das Bild ein wenig, aber daran gewöhnt man sich schnell. Stichwort Battlelog. Das „Facebook für Battlefield“ leidet an schweren Kinderkrankheiten. Manchmal lassen sich Spiele erst nach 10 minütiger Ladezeit betreten, manchmal gar überhaupt nicht. Manchmal gibt es Updates, welche große Fehler beheben sollen aber neue, viel schwerwiegendere verursachen. Und Battlefield 4 muss zwangsläufig über einen Webbrowser gestartet werden. Da mag der ein oder andere Spieler, zu Recht, verärgert die Finger weg lassen. Hier müssen EA und DICE noch dringend ausbauen und nachbessern oder ihnen werden aus lange Zeit die Käufer wegbleiben.



Technisch macht Battlefield erneut einen überragenden Eindruck, auch wenn sich im direkten Vergleich zum Vorgänger zwar wenig, jedoch eben wesentliches verändert hat. So gibt es nun deutlich mehr Partikeleffekte, was sich vor allem auf den städtischen Maps durch umherfliegende Zeitungen bemerkbar macht. Auch die Texturqualität ist unerreicht gut, die Texturen sind zu jedem Zeitpunkt knackscharf aufgelöst. Feuer und Explosionen sind beeindruckend und die Darstellung von Licht und Schatten sieht ebenfalls, man möchte sagen, Fotorealistisch aus. Aber in erster Linie beim Sound hat sich DICE selbstübertroffen, so realistische, ins Kampfgeschehen hineinziehende Geräusche gab es in einem Spiel wohl so noch nie. Gegner können sogar rein akustisch lokalisiert werden, zum Beispiel durch ihr auf englisch, russisch und chinesisch synchronisiertes Geschrei während eines Gefechtes. Schießt ein Scharfschütze mit einem Präzisionsgewehr von weit weg über die Karte, so bekommt man förmlich Angst und fliegt ein Kampfjet im Tiefflug über die Straße, nimmt dabei Blätter und umherwehende Papierschnipsel mit und tut das ganze nun auch noch mit bombastischem Sound, so ist die Idylle perfekt. Leider kommt es bei Battlefield 4 zu mehreren berühmten „Hätten sie vom Publisher 2 Wochen mehr Zeit erhalten, gäbe es die nicht“ – Fehler. So schluckt die Karte „Lancang Damm“ manchmal komplett den Sound, sodass wir ohne Fahrzeug- und Waffengeräusche auskommen müssen, auf Haynan Resort kommt es zu merkwürdigen Bodentexturen die sich, Zitat Space Frogs Entertainment Youtube : „(…) sich nicht entscheiden kann ob sie jetzt Erde, Stein oder Grass ist“ und bei dem umstürzenden Hochhaus auf Siege of Shanghai kommt es bei vielen Spielern zum Absturz des Spiels. Generell kommt es sehr häufig zu Spielabstürzen, was gerade am Ende erfolgreicher Runden frustrierend ist, da sämtliche Erfahrungspunkte dann weg sind. Hier muss DICE dringend nachbessern. Am Premium-Preis von aktuell 40€ muss DICE auch dringend noch schrauben, denn ob die jeweils 4 neuen Karten der kommenden Expansion-Packs China Rising, Second Aussault, Naval Strike, Dragons Tooth und Final Stand wirklich einen Vollpreis wert sind wird sich erst noch zeigen. Mit 10 gut durchdachten, schön gestalteten Karten liefert DICE allerdings schon jetzt ein gutes Gesamtpaket.



Mit einer unterhaltsamen, wenn auch etwas lauen Kampagne, einem excellenten Multiplayermodus sowie toller Technik welche jedoch unter einigen eklatanten Schwächen leidet, schafft DICE vielleicht nicht den Hit des Jahres, allerdings ein Solides, grandioses Multiplayer-Erlebnis. Battlefield-Fans und solche die es werden wollen sollten zugreifen, für alle anderen gilt, abwarten was DICE aus den Fehlern lernt und ob die Schwächen noch ausgebessert werden.

Dieser Artikel wurde verfasst von Julius Engelbach aka Julius Engelbach.

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